von Mimika Tosiou
In einer Zeit, in der Information, Meinungsvielfalt und Glaubwürdigkeit internationaler Medien im Zentrum der europäischen öffentlichen Debatte stehen, gewinnen Entscheidungen über die Rolle historischer Rundfunkanstalten besondere Bedeutung. Gerade wenn es sich um Medien mit einem klaren Auftrag der öffentlichen Diplomatie und des interkulturellen Dialogs handelt, werfen Änderungen in ihrer sprachlichen Präsenz Fragen auf, die weit über organisatorische Umstrukturierungen hinausgehen.
In diesem Kontext steht die Entscheidung der Deutsche Welle, ihr griechischsprachiges Programm vollständig einzustellen. Die Ankündigung hat sowohl in Deutschland als auch in Griechenland Reaktionen ausgelöst. Organisationen der griechischen Diaspora, Medienschaffende und Bürgerinnen und Bürger äußern ihre Sorge und betonen, dass es dabei nicht nur um das Ende eines Programms geht, sondern um den Stellenwert der deutsch-griechischen Kommunikation im öffentlichen Raum.
„Keine rein wirtschaftliche Entscheidung – mit symbolischer Wirkung“
Die Vorsitzende der Deutsch-Griechischen Gesellschaft Düsseldorf, Effi Bikaki, zeigt sich in ihren schriftlichen Stellungnahmen „zutiefst besorgt“ über die Entscheidung. Diese dürfe nicht ausschließlich als technische oder finanzielle Maßnahme betrachtet werden. Die Deutsche Welle sei über Jahrzehnte hinweg eine stabile Brücke der Verständigung zwischen Deutschland und Griechenland gewesen.
Die Einstellung des griechischsprachigen Angebots könne, so Bikaki, als Schwächung dieser Brücke wahrgenommen werden und das Signal senden, dass die deutsch-griechischen Beziehungen kommunikativ keine Priorität mehr hätten. „In einer Zeit, in der Europa mehr Verständigung und Dialog braucht, ist dieses Signal aus meiner Sicht falsch“, betont sie.
Die Debatte fällt in eine Phase, in der in Deutschland erneut über die Rolle der Deutschen Welle als internationaler öffentlich-rechtlicher Rundfunk und Instrument der sogenannten Soft Power diskutiert wird. Nach aktuellem Planungsstand ist die Einstellung des griechischen Programms Teil eines Sparpakets infolge von Kürzungen im Bundeshaushalt und soll zum 1. Januar 2027 umgesetzt werden.
Die Debatte fällt in eine Phase, in der in Deutschland erneut über die Rolle der Deutschen Welle als internationaler öffentlich-rechtlicher Rundfunk und Instrument der sogenannten Soft Power diskutiert wird. Nach aktuellem Planungsstand ist die Einstellung des griechischen Programms Teil eines Sparpakets infolge von Kürzungen im Bundeshaushalt und soll zum 1. Januar 2027 umgesetzt werden.
Bedeutung für die griechische Diaspora
Besondere Bedeutung misst Bikaki dem griechischsprachigen Angebot der Deutschen Welle für die griechische Diaspora in Deutschland bei. Es habe über Jahre hinweg eine verlässliche Informationsquelle über deutsche Politik, Gesellschaft und Wirtschaft in der Muttersprache vieler Hörerinnen und Leser dargestellt.
Gerade in konfliktreichen Phasen, etwa während der Finanz- und Schuldenkrise, habe die DW auf Griechisch dazu beigetragen, Stereotype abzubauen und ein ausgewogeneres Bild zwischen den beiden Gesellschaften zu vermitteln. „Der Wegfall dieses Angebots bedeutet heute den Verlust eines wichtigen Kanals für Information, Dialog und kulturelle Vermittlung“, so Bikaki. Für viele Angehörige der ersten Migrantengeneration sei dieser Kanal von zentraler Bedeutung gewesen – und sei es bis heute.
Fragen zur Einstellung ausschließlich des griechischen Angebots
Zwar erkenne sie an, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender wirtschaftlichen Zwängen unterliege, doch die Tatsache, dass ausschließlich das griechischsprachige Angebot eingestellt werde, werfe berechtigte Fragen auf. Angesichts einer großen und aktiven griechischen Gemeinschaft in Deutschland sei griechischsprachige Information keine Luxusfrage, sondern eine Investition in gesellschaftlichen Zusammenhalt und gegenseitiges Verständnis.
Aus Sicht der Deutsch-Griechischen Gesellschaft Düsseldorf hätte diese Entscheidung zumindest einer größeren Transparenz und nachvollziehbaren Begründung bedurft – unter Berücksichtigung der historischen, politischen und sozialen Bedeutung der deutsch-griechischen Beziehungen.
Unterschriftenkampagne gegen die Einstellung
Parallel zu den öffentlichen Stellungnahmen läuft derzeit eine Unterschriftenkampagne unter dem Titel „Deutsche Welle – Griechisches Programm retten“, mit dem Ziel, die Entscheidung zu überdenken und die griechische Stimme bei der Deutschen Welle zu erhalten.
Die Initiative wurde von Akteuren der griechischen Diaspora ins Leben gerufen und hat nach aktuellen Angaben bereits mehrere hundert Unterschriften gesammelt – sowohl aus Deutschland als auch aus Griechenland. In dem Petitionstext wird darauf hingewiesen, dass die vollständige Streichung einer Sprache, die Amtssprache der Europäischen Union ist, Fragen zur Meinungsvielfalt aufwerfe. Zudem wird thematisiert, inwieweit die Präsenz der griechischen Gemeinschaft in Deutschland bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt wurde.
„Es gibt Spielraum für eine Neubewertung“
Trotz der derzeitigen Entwicklung sieht Bikaki weiterhin Möglichkeiten für eine Neubewertung und kreative Lösungsansätze. Eine Rolle könnten dabei unter anderem das Auswärtige Amt, Kulturinstitutionen sowie gesellschaftliche Organisationen spielen.
Die Deutsch-Griechische Gesellschaft Düsseldorf verstehe es als ihre Aufgabe, Initiativen zu unterstützen, die Dialog, Information und die deutsch-griechische Freundschaft stärken. „Der Erhalt einer griechischsprachigen Stimme bei der Deutschen Welle ist nicht nur eine medienpolitische Frage“, betont Bikaki abschließend. „Es geht um Beziehungen, Vertrauen und eine gemeinsame europäische Perspektive.“
*Was ist die Deutsche Welle – und was soll sich ändern?
Die Deutsche Welle ist der internationale öffentlich-rechtliche Rundfunk Deutschlands. Sie wurde 1953 gegründet und wird überwiegend aus dem Bundeshaushalt finanziert. Ihr Auftrag ist es, weltweit verlässliche Informationen bereitzustellen und die internationale Präsenz Deutschlands zu stärken.
Derzeit sendet die DW Inhalte in mehr als 30 Sprachen über Radio, Fernsehen und digitale Plattformen. Nach dem aktuellen Planungsstand soll das griechischsprachige Angebot zum 1. Januar 2027 vollständig eingestellt werden – eine Entscheidung, die in Griechenland und innerhalb der griechischen Diaspora auf deutliche Kritik stößt.


Δεν υπάρχουν σχόλια:
Δημοσίευση σχολίου
Σημείωση: Μόνο ένα μέλος αυτού του ιστολογίου μπορεί να αναρτήσει σχόλιο.